18.01.12
Zukunftsfähiges Jobcenter-Modell für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Dachorganisation der Arbeitgeberverbände sieht Optionsmodell kritisch
SCHWERIN, 18.01.2012. Hans-Günter Trepte, Geschäftsführer für Berufsbildung und Arbeitsmarkt der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV), sprach sich heute (Mittwoch, 18.01.2012) gegen die Übernahme des Optionsmodells für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte aus. Er plädierte für eine einheitliche Fortsetzung des in den Altkreisen Müritz und Demmin sowie in Neubrandenburg bewährten Jobcenter-Modells. Als Vertreter der Arbeitgeberverbände im Land warb er für die gemeinsame Betreuung erwerbsloser Hilfebedürftiger durch die Agenturen und Kommunen im gesamten Landkreis.
„Die guten Erfahrungen des Jobcenters Neubrandenburg und die Kompetenzen und Vorteile des bisherigen ARGE-Modells sprechen für sich. Der Landkreis und die Arbeitsagentur sollten die Langzeitarbeitslosen und Empfänger von Sozialleistungen gemeinsam betreuen“, empfahl Trepte.
„Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist gegenwärtig und künftig eine der größten, wenn nicht gar DIE größte Herausforderung für unser Land und den Landkreis. Ein Teil der Lösung sind leistungsfähige, kompetente und klare Vermittlungs- und Betreuungsstrukturen. Durch das Zusammenlegen von Ressourcen lassen sich Stärken bündeln und notwendige Kooperationen erreichen. Eine Entscheidung für das Optionsmodell würde dagegen ineffektive Parallelsysteme etablieren“, schätzt Hans-Günter Trepte ein.
Der Arbeitsmarktexperte befürchtet, dass bei der Entscheidung für das Optionsmodell nur ein deutlich verkleinerter Arbeitgeberservice (AGS) mit den Betrieben zusammenarbeiten und Arbeitnehmer vermitteln könnte. Der Landkreis seinerseits würde sich nur um die Integration von Hartz-IV-Empfängern kümmern können.
„Besondere Probleme sehen wir bei der Ausbildungsstellenvermittlung. Wir würden beim Optionsmodell erleben, dass Kinder erwerbsfähiger Hilfebedürftiger durch den Landkreis betreut werden, Kinder anderer Familien dagegen durch die Bundesagentur. Damit stigmatisieren wir junge Leute aufgrund ihres sozialen Hintergrundes und würden ihnen den Berufseinstieg unnötig schwer machen“, gibt HansGünter Trepte zu bedenken.
Darüber hinaus würde der Landkreis als Optionskommune durch die Übernahme von zirka 400 Jobcenter-Mitarbeitern ein hohes finanzielles Risiko eingehen. Bei tendenziell sinkenden Arbeitslosenzahlen könnten diese Mitarbeiter nicht mehr aus einem Betreuungsschlüssel heraus finanziert, sondern müssten aus dem normalen Kreishaushalt bezahlt werden.
„Zuviel spricht gegen das Optionsmodell. Aus Arbeitgebersicht hoffen wir, dass die Kreistagsabgeordneten sich für ein einheitliches leistungs- und zukunftsfähiges Jobcenter-Modell ab 2013 für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte entscheiden“, erklärte HansGünter Trepte abschließend.
Die VUMV ist die Dachorganisation von 27 Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern und zugleich Landesvertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Landesvereinigung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
Hans-Günter Trepte (61), Geschäftsführer für Berufsbildung und Arbeitsmarkt bei der VUMV.